Mein kleiner Katzer hatte heute einen schweren Tag.
Schon gestern Abend wurde ihm sowohl das Futter als auch der Ausgang verwehrt, und auch heute Morgen ließ das erhoffte Nassfutter weiterhin auf sich warten. Stattdessen wurde dem armen Kerl ein Stücken Beruhigungstablette in die Speiseröhre gemogelt, welches ihn fristgerecht gewaltig aus der Bahn warf. Wir dösten gemeinsam auf meiner Bettdecke auf dem Fußboden herum, bis der Katzer meiner Meinung nach dösig genug war und von mir flugs in seinen neuen Reisekorb verfrachtet wurde. Gestern noch hatte er sich freiwillig für ein paar Minuten in seine tollen neuen Superkorb niedergelassen, heute jedoch wollte er auf der Stelle ausbrechen. Rund eine Stunde lang rumorte er im Korb herum, während alle seine Ausbruchsversuche an der sehr stabilen Korbtür scheiterten. Schließlich gab er scheinbar auf und döste lange genug, um mich erfolgreich zu täuschen. Während ich für gerade mal 2 Minuten im Bad verschwand, verschwand der Katzer aus seinem neuen Korb. Letztendlich musste ich ihn in die kleine und unbequeme Transportbox mogeln, in der er sich auf einmal in ein wahres Engelchen verwandelte.
Und warum das alles? Weil der Katzer heute seiner Männlichkeit beraubt wurde.
Nach noch nicht einmal 3,5 Stunden konnte ich ihn schon wieder abholen, er sei erstaunlich schnell wieder auf den Beinen gewesen. Nun ja… Gewundert hat mich das nach seiner morgendlichen Raserei (trotz Beruhigungsmittel) nicht mehr sonderlich. Ich hatte ihn also am späten Vormittag zurück, und mit ihm einen unfassbaren Gestank. Die Kiste, das Kissen in der Kiste, er selbst – vollgepinkelt und stinkend. Und seitdem befinden wir uns hier im Krankenlager.
In weiser Voraussicht hatte ich diverse Handtücher auf dem Boden und in der Nähe des Wassernapfes sowie auf seiner Lieblingsecke des Bettes verteilt, welche aber geflissentlich ignoriert wurden. Natürlich wurden sie das. Der Herr Katzer wollte nämlich lieber mit seinem immer noch nassen Unterbau lieber aufs Sofa. Auf das Sofa mitsamt Bezug, herumliegendem Pulli, eingeknüllerter Lieblingsdecke. Zwischendurch sprang er wackelig aufs Bett, torkelte in Richtung Terassentür und ließ sich tatsächlich auf der vor der Fensterfront liegenden Decke nieder. Meistens aber sprang er unbeirrt aufs Sofa, drömelte kurz neben meinem Bein herum und hopste mir dann – wie so oft – ab die obere Hälfte meines Oberkörpers. So lange und hartnäckig, bis ich meinen Laptop Laptop sein ließ und mich unter den Katzer auf das Sofa legte. 2 Stunden Ruhe für mich, 2 Stunden Schlaf für den Patienten.
Ich machte mich auf den Weg in die weite Welt hinaus, der Patient blieb in der Wohnung und verbrachte offenbar 2 weitere Ruhestunden auf dem Sofa. Inzwischen scheint er weitestgehend wieder bei Kräften zu sein. Ein wenig steifbeinig ist der Katzer noch, bewegt sich aber ansonsten wieder völlig normal. Die Augen plinkern noch ein wenig träge in die Welt, doch zumindest die Nickhaut ist nicht mehr zu sehen. Nichtsdestotrotz möchte man schon wieder mit den Vorderpfoten auf der Küchentheke herumpatschen, man möchte im Kühlschrank wohnen und vor allem möchte man un-be-dingt nach draußen. Ich werde abwechselnd aufmüpfig und vorwurfsvoll angeguckt, konnte mich aber mit einem winzigen bisschen Futter wieder beliebt machen. Der Katzer schnurrt inzwischen auch wieder und scheint mich wirklich nicht so abgrundtief zu hassen, wie ich es befürchtet hatte.
Ich habe den kleinen Kranken furchtbar lieb. Und als Ehrengast im Krankenlager werde ich ihn heute Abend auch gnadenlos (sprich: noch mehr als sowieso schon) verwöhnen. Darum muss ich jetzt auch den Laptop zuklappen und dem Katzer als Schlafunterlage dienen.
Veröffentlicht von AndiBerlin am 20/03/2011 um 17:18
Ganz böse, jemanden die Männlichkeit zu rauben! Man gut das ich kein Kater bin.